Aus Anlass des tragischen Amoklaufes von Winnenden und vor dem Hintergrund eines Ereignisses an unserer Schule, das in der letzten Woche für zusätzliche Besorgnis und Unruhe gesorgt hat, fand am 17. März um 12.00 Uhr eine Vollversammlung für alle Jahrgangsstufen in der Aula statt.
Der Text der Ansprache von OStD Fiebig:
Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Schülerinnen und Schüler,
heute finden in Winnenden und überall in Deutschland Trauerfeierlichkeiten statt, um der Opfer der schrecklichen Amoktat von letzter Woche zu gedenken.
Ich bin sicher, es gibt niemanden in diesem Raum der in der letzten Woche nicht zutiefst geschockt war und der nicht noch immer tiefe Betroffenheit verspürt.
Ohne Zweifel haben sich viele von euch auch gefragt, ob etwas Derartiges auch an unserer Schule passieren kann. - Die Antwort muss lauten: es gibt keine 100% Sicherheit, auch wenn wir die Schule abriegeln oder von Sicherheitskräften bewachen lassen.
Wir wollen aber keine verriegelte Schule und wir wollen keine Wachmänner, die alle Schüler und Besucher bespitzeln oder untersuchen.
Seit dem Jahr 2003 gibt es an allen bayerischen Schulen ein Sicherheitskonzept. Unseres wurde zusammen mit den Schulen im Schulzentrum, mit Polizei und Feuerwehr und dem Elternbeirat erarbeitet.
Die wesentlichen Inhalte werden die Kolleginnen und Kollegen in den nächsten Tagen nochmals in allen Klassen durchsprechen.
Ein entscheidender Punkt dieses Sicherheitskonzeptes ist unsere Wachsamkeit aber auch unser gegenseitiges Vertrauen. Beide Elemente sollen der Prävention, der Vorsorge dienen.
Es heißt in unserem Sicherheitskonzept:
"Schülerinnen und Schüler sollen verdächtige Beobachtungen im Schulgebäude sofort an eine Lehrkraft melden. Dies gilt insbesondere für Personen, die sich im Schulbereich aufhalten und offensichtlich nichts mit der Schule zu tun haben."
Weiter heißt es:
"Schülerinnen und Schüler sollen verdächtige Äußerungen von Mitschülern über Verfügbarkeit und angeblichen Besitz von Waffen sofort der Schulleitung mitteilen. Dies gilt auch für Äußerungen, die auf Gewaltbereitschaft schließen lassen."
Versteht mich bitte nicht falsch: Hier soll keine Hexenjagd veranstaltet werden, aber ich möchte klar und deutlich zum Ausdruck bringen, dass derjenige, der etwas weiß und es verschweigt zum Mitwisser und Mittäter wird.
Wir alle wissen, dass an unserer Schule in der letzten Woche besondere Besorgnis aufgrund eines Ereignisses herrschte, das zu Ängsten, aber auch zu Spekulationen und Gerüchten geführt hat.
Ein Schüler der 13. Jahrgangsstufe hat am vergangenen Montag einen verdächtigen Eintrag in einem geschlossenen Internetforum, zu dem nur wenige Personen Zugang hatten, abgelegt. Ein Schüler, der einen solchen Zugang hatte, hat uns informiert. Die Polizei wurde eingeschaltet. Nach intensiven Gesprächen mit dem Schüler und dessen Eltern und nach einer Hausdurchsuchung, die von den Eltern freiwillig angeboten wurde, ergaben sich keinerlei Hinweise auf eine Gefährdung. Die Polizei sah und sieht keinen Handlungsbedarf.
Ich betone noch einmal: es bestand in der letzte Woche nie eine tatsächliche Bedrohung, es gab keinen Hinweis auf einen Amoklauf oder irgendeine Gewalttat, niemand wurde festgenommen. Dennoch ist klar, dass diese erhebliche Störung des Schulfriedens schulinterne Folgen haben wird.
Ich hoffe sehr, dass mit dieser Mitteilung alle Spekulationen, vor allem aber berechtigte Ängste oder Befürchtungen ausgeräumt sind.
Dennoch: sprecht mit Euren Lehrern, fragt sie, verschafft euch Gewissheit.
Und bitte, helft uns in unserem Bemühen unsere Schule als offene, freundliche Schule zu erhalten, helft uns in unserem Bemühen, den Lebensraum Schule mit positiven Werten zu füllen.
Ich bitte nun alle Anwesenden darum, sich zu einer Trauerminute und zu einem stillen Gedenken für die Opfer von Winnenden zu erheben.




