
Shakespeares große Liebestragödie am Gymnasium Bad Aibling
William Shakespeare warnt zu die Zuschauer vor seinem eigenen Stück! Herrlich komisch beginnt die Aufführung mit einer Vorrede des Autors, der die Zuschauer bittet wieder zu gehen. Sein Stück sei so verändert, dass es für ihn nicht mehr erkennbar sei. Diese Vorrede stimmt darauf ein, dass Unerwartetes auf der Bühne passieren wird. Die Rollen sind klar verteilt. Die Erwachsenen, die Elternpaare Montague und Capulet, die Amme, Pater Lorenzo und der Diener werden von den Lehrern gespielt, die Rollen der jungen Leute der beiden Familien übernehmen die Schüler der Schauspielgruppe. Während den "Alten" nur jeweils eine Person zugeordnet ist, verteilten sich die Rollen der Jungen auf alle, denn die Rollen sind mehrfach besetzt und wechseln während des Spiels immer wieder den Schauspieler. Neun Romeos, neun Julias, leicht erkennbar in ihrer einheitlichen Kleidung. Alle Julias in leuchten roten Kleidern, die Romeos in weißen Hemden, schwarzen Hosen und roten Seidentücher. So wurde die Liebe von Romeo und Julia zu einem Drama der Liebenden, die Widerstände letztlich nicht überwinden können.

Beeindruckend in dieser Inszenierung der Theatergruppe um Stefan Schmidt bleibt die gleichermaßen sorgfältige wie liebevolle Erarbeitung des Stoffes. Schwierige Sprechpassagen, in denen der bekannte Text verteilt gesprochen, oft nur hingehaucht, fast unverständlich gemurmelt wird, bedürfen einer unendlichen Geduld in den Proben, bis das, was so schwierig ist, auf der Bühne leicht und selbstverständlich erscheint. Der zeitlich große Aufwand der Proben verlangte auch von den Lehrern größten Einsatz. Und er hat sich gelohnt, denn auch sie wuchsen aus ihren (Lehrer-)Rollen heraus, über sich hinaus in das Stück hinein. Die Auseinandersetzungen der Jungen, in denen diese nur Ausführende und Betroffene sind, sowie der Kampf um ihre Liebe, die sie nicht retten können, sind von einer Schwermut und nur einzelnen Momenten der Freude begleitet. Der Part der lustigen Szenen und der komischen Rollen bleibt denen überlassen, die unversöhnlich sind und durch die sich die Fronten verhärten, nämlich den Alten.
Trotz der langen Aufführungszeit (fast 2 ½ Stunden) bleibt der Spannungsbogen erhalten. Wunderbar eingerahmt, aber auch begleitet und unterstützt, wird die Inszenierung durch die Musik der Gruppe "Levantino", auch sie Schüler des Gymnasiums.
Stefan Schmidt und seine Truppe von über dreißig Leuten haben einen wahrhaften großen Brocken mit beeindruckender Leichtigkeit auf die Bühne gestemmt. Der große Zuschauerzuspruch und der tosende Applaus waren ein mehr als verdiente Lohn.
(Text: A. Wittkowski, Fotos: A. Winnerlein)




