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Orchesterkonzert am 4. Juli

Ein glanzvolles Konzert für einen guten Zweck
Das Jugendorchester aus San José besucht Bad Aibling und begeistert seine Zuhörer

Bad Aibling steht in einer Reihe mit den ganz großen Kunst- und Musikstädten in Europa, zumindest im Tourneeprogramm des San José Youth Symphony Philharmonic Orchestra. Dieses kalifornische Ensemble aus jugendlichen Spitzenmusikern unter der Leitung von Yair Samet machte zum Abschluss seiner Europareise am Montag, 4. Juli, dem amerikanischen Nationalfeiertag, im Kurhaus Station, nachdem es vorher in Rom, Montecatini/Florenz und Salzburg gastiert hatte. Bad Aibling war für die über neunzig Musikerinnen und Musiker und ihre dreißigköpfige Begleitmannschaft allerdings mehr als nur der Abschluss einer anstrengenden Konzertreise, an die sich noch zwei Tage in München anschlossen. Hier hatten sie erstmals Gelegenheit zu einer echten Begegnung mit jungen Menschen, denn das Orchester war vor dem Konzert am Gymnasium Bad Aibling zu Gast und bestritt den Abend auch zusammen mit dem Orchester des Gymnasiums unter der Leitung von Ruth Wiegand. Einer gemeinsamen Probe im Kurhaus schloss sich ein Essen in der Mensa an, bei dem Schulleiter Werner Fiebig den Gästen einen kurzen Überblick über das bayerische Schulsystem gab und die Örtlichkeiten im Schulzentrum vorstellte. Der obligatorische Schweinebraten schmeckte ganz offensichtlich und der Funke unter den jungen Musikern sprang schnell über. Die amerikanischen Gäste waren erstaunt, an einer "normalen" Schule ein klassisches Orchester als eines von mehreren Ensembles vorzufinden. Nicht weniger staunten die Bad Aiblinger Schüler über ihre Gäste. Die San José Youth Symphony Stiftung hat es sich seit über fünfzig Jahren zum Ziel gesetzt, jungen Talenten zusätzlich zu ihrem Schulbesuch eine Ausbildung in Orchestermusizieren und Aufführungspraxis zu gewähren. Etwa 400 junge Leute im Alter von 8 bis 20 Jahren bewerben sich jährlich um die Aufnahme. Die Spitzenkräfte schaffen es in das Jugendsymphonieorchester mit einer jährlichen Konzertsaison in Kalifornien und einer Auslandstournee alle zwei Jahre.

 

Die Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums gingen das abendliche Konzert mit etwas gemischten Gefühlen an: würde man neben diesem höchst renommierten Orchester bestehen können? Die Reaktion der Zuschauer im vollen Kurhaus zeigte schnell, dass sie konnten. Angetrieben von den überragend aufspielenden Solisten Tajana Salmen (Oboe), Michl Bloching (Klarinette) und Florian Ludwig (Klavier) boten sie Werke von Albioni, Mozart und Schostakowitsch mit einem Feuer und einer Hingabe, die das Publikum und auch die amerikanischen Musikerkollegen zu Begeisterungsstürmen hinrissen.

Die Wucht des Klangkörpers des amerikanischen Orchesters mit seinen über neunzig Mitliedern erfüllte nach der Pause das Kurhaus in einer Weise, die man wohl an dieser Stelle noch nie erlebt hatte. Yair Samet leitete sein Orchester mit heiterer Leichtigkeit. Die Präzision mit der die jungen Musiker Stücke von Dvorák und Gershwin darboten, die Dynamik und Variationsbreite im Ausdruck, erzeugten bei den Zuhörern ein Wechselbad positiver Gefühle, das beim zentralen Stück,  dem Konzert für Violine und Orchester e-moll, op. 64 von Felix Mendelssohn-Bartholdy ungläubigem Staunen wich. Was Hannah Pauline Tarley an der Violine zusammen mit dem Orchester bot, war tatsächlich unglaublich. Man muss wissen, dass die zwanzigjährige Kalifornierin im Alter von zwei Jahren mit dem Geigenspiel begann, unter anderem an der Juilliard School in New York studierte und bereits mit allen bedeutenden amerikanischen Symphonieorchestern zusammen spielte. Die Tatsache, dass Hannah Pauline Tarley, die schon jetzt in den USA als absolute Ausnahmekünstlerin gehandelt wird, diese Europatournee mit dem San José Jugendorchester bestreitet, zeigt wiederum, welchen künstlerischen Ruf dieses Ensemble genießt. Der Jubel des Publikums im Kurhaus kannte keine Grenzen und wurde mit reichlichen Zugaben belohnt, bei denen sich schließlich auch die Musiker des Gymnasiums zu dem Orchester gesellten und somit die Zahl der Akteure auf rekordverdächtige Höhen schraubten.

 

Die besondere Begegnung und das außergewöhnliche Konzert waren durch die Kontakte der Schule mit einer Wiener Konzertagentur möglich geworden, durch die bereits im letzten Jahr ein Konzert mit dem Blasorchester Harrogate im Kurpark zustande gekommen war. Als besonderer Bonus wird das gesamte Eintrittsgeld Jugendprojekten zufließen, die nach der Tsunamikatastrophe von Fukushima wieder aufgebaut werden müssen. Das amerikanische Orchester hatte diesem Vorschlag der Schule sofort zugestimmt, die Stadt Bad Aibling stellte ihre Einrichtungen kostenfrei zur Verfügung gestellt. Bürgermeister Felix Schwaller ließ es sich nicht nehmen, die Gäste persönlich zu begrüßen.

Unmittelbar nach der Katastrophe in Japan hatte die Schülermitverantwortung des Gymnasiums die Aktion "Ein Euro für Japan" gestartet, bei der in der Schule über 1400.- Euro gesammelt wurden. Zusammen mit dem Konzerterlös können nun über 3000.- Euro für Japan gespendet werden, ein höchst erfreuliches Ergebnis, das einen  wunderbaren Abend perfekt abrundet.

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