Quelle: Mangfall-Bote vom 16.03.2007
von Elke Wrede-Knopp
Computergestützter Unterricht am Gymnasium der Renner | ||
| Bad Aibling - Einloggen und loslegen im Unterricht - das ist für die 7c des Gymnasiums Bad Aibling ein Klacks. Die 13- und 14-Jährigen hantieren täglich im Unterricht mit ihren Laptops und laufen damit manchem Computer-Freak den Rang ab. |

Power-Point-Präsentationen, Programmieren sowie Chatten ist eine leichte Übung. Und auch das Pauken mit Hilfe des Vokabeltrainers steht ganz oben: Nach einer Schülerbefragung werden die Fremdwörter per Computer gründlicher erlernt. «Spannender als nur mit Büchern», findet die Laptop-Klasse. So bekomme auch der trockenste Stoff einen Spaßfaktor. Das bayerische Pilotprojekt «Computer gestützter Unterricht» begann heuer am Gymnasium zunächst als «Abenteuer». Nun mausert es sich bei Schülern, Eltern und Lehrern zum Renner. Mit Unterstützung des Landratsamtes Rosenheim soll es auch ins zweite Jahr gehen, dann wird dieser Schulversuch Direktor Werner Fiebig zufolge noch ausgeweitet.
«Laptopklasse» bedeute nicht, dass ausschließlich auf Computer-Basis Lehrstoff vermittelt werde, so der Schulleiter. Vielmehr werde der Unterricht - und da bietet sich inbesondere der Fremdsprachenunterricht an - durch dieses elekronische Instrumentarium didaktisch unterstützt. Carlo Ribeca, Klasslehrer der 7c, demonstriert seine Englischstunde. Welche neuen Vokabeln haben die Schüler in der aufgegebenen Textpassage entdeckt?
Auf dem sogenannten Smartboard im Klassenraum - eine interaktive weiße, beschreibbare Tafel mit Funktionen eines Computers - wird für den Klassenverband sichtbar, wie Tim, Paul oder auch Max von ihrem Laptop aus das Wort «armour» auf Englisch erklären und zum besseren Verständnis dies mit dem Abbild einer Rüstung spicken.
Der Austausch zwischen Schüler(n) und Lehrer ist schnell und nachvollziehbar für jeden. Nach jeder Aufgabe bekommt Ribeca zufolge der Schüler sofort sein «Feedback», zudem könne er die Übungen unbegrenzt wiederholen, was bei herkömmlichen Arbeitsblättern schwieriger sei.
Ribeca wie auch Fiebig betonen, dass auf diese Weise die Leistungsstärke des einzelnen Schülers besser berücksichtigt werde. Ein weiterer Aspekt: In einer medienbestimmten Gesellschaft lernen die Schüler das Internet als Informationsquelle und Recherche-Mittel für den Fachunterricht zu nutzen.
Das Surfen rund ums Thema mache sie immer neugieriger, gestand die Laptopklasse: «Man klickt von einer Seite zur nächsten, lernt viel über das gesuchte Thema und schafft Querverbindungen.» So würde das Gehirn mit immer mehr Wissen gefüttert. Kommt einer von ihnen im Internet mal nicht weiter, so «eilt» ihm ein Mitschüler sofort zu Hilfe oder wird via Chat dazu gerufen - manchmal ist das auch der Lehrer.
Dessen Rolle sieht Ribeca denn auch eher als Tutor und Koordinator denn als Pädagoge im herkömmlichen Sinne. «Der Unterrichtsstoff wird multimedial durchgenommen, die Eigenverantwortung des Schülers gesteigert», ist er überzeugt. Der Kritik, dass junge Leute große Probleme an der Uni haben, weil sie während ihrer Schullaufbahn zu wenig Eigeninitiative entwickeln konnten, werde mit dem computergestützten Unterricht begegnet.
Die Schüler lernten, ihre Arbeit zu strukturieren und würden fit gemacht für ein Informationsmanagment. Dabei komme die sprachliche Kommunikation auf keinen Fall zu kurz. Man habe überdies beobachtet, dass die gegenseitige Hilfe und die einzelne Motivation sogar zunehme.
Unterrichtsfach Mathematik und Laptop, auch das passt bedingt zusammen. Zur Visualisierung geometrischer Figuren setzt zum Beispiel Bernhard Erl gerne den Computer ein. Der Lehrer, zugleich für die technische Installation als Systembetreuer zuständig, sieht Lernvorteile bei den verschiedenen Mathematikprogrammen in Verbindung mit Physik sowie den Bereichen Natur und Technik. «Das Thema Lichtausbreitung lässt sich zum Beispiel in verschiedenen Farben darstellen.» Es sei höchst interessant, wie Schüler Erscheinungen wie Regenbogen oder Fata Morgana darstellten. Für Algebra, bekannte Erl hingegen, greife er nach wie vor lieber zum Buch.
In der Vorbereitung auf die Laptopklasse hatten die Eltern der jetzigen 7c das Projekt stark unterstützt - auch finanziell, denn die Laptops wurden selbst angeschafft. Während des laufenden Schuljahres kamen dann Fiebig zufolge Anfragen von Schülereltern anderer Klassen.
Die Begeisterung über den innovativen Unterricht hatte sich herumgesprochen. Das Gymnasium beabsichtigt nun, auch aufgrund der hohen Elternresonanz, das Projekt auszuweiten.
«Wir wollen nicht nur die Klassen eines Jahrgangs berücksichtigen», erklärte der Schulleiter, zumal das Landratsamt einer Fortsetzung des Projektes sowie den notwendigen Einrichtungen zugestimmt hat.
Die jetzige 7c soll als Laptopklasse fortgeführt und eine künftige siebte Klasse als neue installiert werden. Zusätzlich will die Schule zirka 30 Laptops (ein Klassensatz) anschaffen, um die übrigen siebten Klassen an Laptopprojekte heranzuführen; zugleich will man eine soziale Auslese vermeiden - im Falle, dass Eltern sich die Anschaffung eines eigenen Laptops für ihr Kind nicht leisten können. Die Kosten in Höhe von zirka 30000 Euro bereiten allerdings noch Kopfzerbrechen.
Von etwa 400 Gymnasien in ganz Bayern hat sich Fiebig zufolge maximal eine Handvoll zur Bildung von Laptopklassen bereit erklärt. Immerhin steht und fällt das Projekt mit dem Engagement der Lehrer. Nur durch die Unterstützung des Kollegiums könne das Vorhaben weiterhin durchgeführt werden, lobte Fiebig. Denn neben vielen «Ehrenstunden» außerhalb des Unterrichts müssten die Kollegen auch Fachschulungen absolvieren.





