20 Jahre Schüleraustausch zwischen Bad Aibling und La Spezia
Gelungenes Fest zu gelungener Partnerschaft
Am Donnerstag, dem 19.04, feierte das Gymnasium Bad Aibling in der Aula das 20-jährige Jubiläum des Schüleraustausches mit La Spezia. Dazu war bereits am Montag eine 24-köpfige Schülergruppe aus La Spezia angereist, die Austauschteilnehmer des Jubiläumsjahres. Begleitet wurden sie auch in diesem Jahr wieder von Chiara Cozzani, der von Beginn an verantwortlichen Deutschlehrerin am Liceo Mazzini in La Spezia. Darüber hinaus war der stellvertretende Schulleiter Fabio Raffellini mitgekommen, der in Vertretung der verhinderten Schulleiterin Linda Raggio ein Grußwort sprach, in dem er hervorhob, welch große Bedeutung so ein Austausch für die teilnehmenden Schüler gerade in der schwierigen Lage des heutigen Italien haben könne. Er forderte die Schüler dazu auf, den Aufenthalt zumindest als einen von vielen „Bausteinen für eine bessere Zukunft“ zu sehen.
Die Bedeutung eines Schüleraustausches für die europäische Integration unterstrich auch Schulleiter Michael Beer in seiner Ansprache. Der Europäische Gedanke sei viel zu wertvoll, als dass man ihn allein den Politikern überlassen dürfe, so Beer. Er schilderte auch kurz die Geschichte dieses Schüleraustausches. Er begann im Jahr 1990 und die Tatsache dass im Jahr 2012 erst das 20-jährige Jubiläum gefeiert wird, ist darauf zurückzuführen, dass in den Jahren 2001 und 2005 der Austausch unterbrochen werden musste. 2001 hatten italienische Schüler aus Protest gegen Schulreformen in Italien die Schule besetzt und der Austausch wurde deshalb gestrichen, 2005 hatte ihn das Gymnasium Bad Aibling als Reaktion auf die Einführung des G8 und die gleichzeitige Arbeitszeiterhöhung ausgesetzt. In den übrigen Jahren verlief der Austausch jedoch immer reibungslos und ist aus dem Schulleben beider Schulen nicht mehr wegzudenken.
Eine neue Dimension gewann die Zusammenarbeit dadurch, dass sie in den Jahren 2010 bis 2012 in ein von der EU unterstütztes Comenius-Projekt für lebenslanges Lernen gegossen wurde, dessen Arbeitsthema historisch und durchaus anspruchsvoll war. In den beiden Jahren des Projektes „Bad Aibling und La Spezia am Ende des 2. Weltkrieges und in der unmittelbaren Nachkriegszeit“ wurden die gegenseitigen Besuche im Gastland und Besichtigungen an diesem Thema ausgerichtet. So besuchte die italienische Austauschgruppe in Deutschland unter anderem Dachau, den Obersalzberg und hatte in München eine Themenführung zur Zeit des Nationalsozialismus. Die deutsche Gruppe fuhr mit zwei kleinen Bussen in einen kleinen Ort in den Apuanischen Alpen, St. Anna die Stazzema, in dem deutsche SS-Truppen auf der Suche nach potentiellen Partisanen ein verheerendes Massaker angerichtet hatten, dem nur wenige Bewohner entkommen waren. Der Zeitzeugenbericht des damals 8-jährigen Enio Mancini verfolgte die deutsche Schülergruppe mit großem Interesse. Aus diesen Besuchen und aus weiteren gemeinsamen Projektarbeitsphasen, in denen die Geschichte der beiden Orte genauer untersucht wurde, entstanden die 32 Plakate der Ausstellung zu Kriegsende und unmittelbarer Nachkriegszeit in Bad Aibling und La Spezia, die im Rahmen der Jubiläumsfeier eröffnet wurde und bis Pfingsten in der Aula des Gymnasiums besichtigt werden kann. Dieses Ergebnis des Comenius-Projektes wurde von einer Klasse einer Fachschule für Gestaltung und Design in La Spezia graphisch aufbereitet, wodurch der Gedanke des Comenius-Programms international zusammenzuarbeiten und dabei zu lernen in die Tat umgesetzt wurde.
Ein weiteres Ergebnis der Zusammenarbeit zwischen Schulen, Schülern und ehemaligen Schülern war eine kleine zweisprachige Festschrift, die bei der Feier an die aktuellen Austauschteilnehmer und auch an einige ehemalige Austauschteilnehmer, die alle zur Jubiläumsfeier eingeladen wurden und von denen auch einige gekommen waren, verteilt wurde.
Ihren Ausklang fand die Jubiläumsfeier in der Mensa des Gymnasiums bei einem italienisch-bayerischen Buffet. Eine Abordnung der Bruckmühler Blaskapelle sorgte dafür, dass die italienischen Gäste auch echte bayerische Volksmusik erleben konnten. In der Hoffnung diesen Austausch mindestens weitere 20 Jahre fortsetzen zu können, verabschiedeten sich Schulleiter, organisierende Lehrer und Schüler dann am letzten Montag, allerdings nur bis zum September. Dann wird der Gegenbesuch der deutschen Gruppe in La Spezia stattfinden und auch in Italien eine nicht selbstverständliche Zusammenarbeit zwischen Schulen und Schülern gefeiert werden.
Seit über zehn Jahren organisiert das Gymnasium Bad Aibling zudem für die Schüler der 10. Klassen einen erfolgreichen Schüleraustausch mit dem Liceo Mazzini in La Spezia.
Hier finden Sie aktuelle Fotos und einen Bericht über den Austausch 2004.
Der jeweils auf ungefähr 10 Tage angelegte Austausch wird von den Schülern beider Schulen ausgesprochen gut aufgenommen und genießt große Beliebtheit. Inhalt und Programm eines Austauschs sind im folgenden Bericht zusammengefasst:
Schüleraustausch: Bad Aibling in La Spezia
Donnerstag
Nach einigen Stunden Zugfahrt und kurzem Aufenthalt am Bahnhof in "Milano" kommen wir gegen 19:15 Uhr in La Spezia an und werden freudestrahlend von unseren Austauschpartnern "eingesammelt".
Freitag
Die ersten drei Schulstunden verbringen wir mit unseren Partnern in den Klassenräumen, anschließend werden wir vom Direktor begrüßt. Ein Buffet wurde auch für uns angerichtet. Nach Schulschluß geht's zurück nach hause und am Nachmittag sind die meisten auf dem Markt, der jeden Freitag in Spezia ist und auf dem man von italienischer Mentalität umgeben ist.
Samstag
Für unsere Austauschpartner ist samstags auch Schule angesagt. Wir werden vorher aber noch von ihnen zum Hafen gebracht, da auf unserem Programm eine Besichtigung der Militärinsel "Tino" steht. Diese fällt jedoch im wahrsten Sinne des Wortes INS WASSER!!! Wegen zu starkem Sturm und Regen kann uns das Schiff nicht auf die Insel bringen. Spontane Programmänderung von Frau Maruhn und Herrn Ribeca: wir gehen alle ins "Museo Navale". In dem Schifffahrts-Museum findet man alles von Verdienstorden bis zu U-Booten und viele Bilder von früheren Schiffsbesatzungen. Nach dem Museumsbesuch legen wir noch einen wirklich feuchten Spaziergang zum "Castello" von Spezia. Eine verzweifelte Suche nach interessanten Geheimgängen blieb erfolglos, da wir von Museumsführern verfolgt wurden Als wir wieder in die Schule zurückkamen, schlugen unsere Austauschpartner die Hände über dem Kopf zusammen, da ihre "tedeschi" bis auf die Haut durchnässt waren, weil es im sonnigen Italien wie aus Eimern goss!
Montag
Noch immer schlechtes Wetter. So wird die Stadtrallye zur freiwilligen Action, und ein paar wenige Gruppen finden sich auch und ziehen im größten Regen auf Erkundungstour durch die Stadt um den Geheimnisse von La Spezia auf die Spur zu gehen. Die vier Gewinnerinnen haben von netten jungen Herr sofort Hilfe bekommen, inclusive eine Wieder-Zurück-Führung zur Schule,da die Damen merkten, dass Frau sich wohl doch nicht so gut in einer fremden Stadt auskennt. Der erste Preis war je ein Botticelli-Bleistift direkt aus Florenz.
Dienstag
Endlich war mal wieder schönes Wetter und dadurch erheitert stiegen wir frohen Mutes in den Bus ein! Obwohl es früh war amüsierten wir uns prächtig mit unsern Austauschpartnern. In Florenz angekommen wurden wir in zwei Gruppen geteilt und besuchten die Uffizien. Nachdem wir einige Werke des berühmten Künstlers Michelangelo voller Ehrfurcht betrachtet hatten, hatten wir 1 Stunde Zeit die schöne Stadt auf eigene Faust zu erkunden.
Mittwoch
An diesem Tag besuchten wir die Klassen unserer Austauschschüler für 3 Stunden, danach brachen wir zu den Cinque Terre Dörfern auf. Nach einer anstrengenden Wanderung erreichten wir ein Dorf. Manche erfrischten sich im Meer die Anderen erkundeten die Stadt! Am späten Nachmittag kamen wir am Bahnhof an und wurden abgeholt. Den Abend gestaltete jeder anders.
Donnerstag
Diesen Tag verbrachen wir mit unsern Austauschpartnern in Livorno, wo wir uns eine ermüdende Ausstellung anschauten; danach gings weiter nach Pisa. Nach einer ausreichenden Fotosession vor dem schiefen Turm, betrachteten wir den nebenstehenden Dom. Nach der anstrengenden Kultur wurden wir mit zwei Stunden Aufenthalt belohnt.
Freitag
An diesem Tag fand das legendäre Volleyballspiel zwischen den Italienern und den Deutschen statt. Das erste Mal in der Geschichte des Austausches bezwangen die unerschrockenen Deutschen das Team der Italiener in 3 Sätzen!(3:0) Da unsere Italiener nicht verlieren konnten forderten sie einen weiteren Satz um ihre Ehre retten zu können. Doch das Ergebnis stand fest; Wir haben gewonnen. Das erste Mal unternahmen wir am Abend alle gemeinsam etwas: Wir waren Pizza essen.
Samstag
Um 7:45 gab es einen tränenreichen Abschied.









